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werkstattbuch

Wie es bei mir läuft. Kurze Einträge aus dem eigenen Ausmisten in einer Mietwohnung: was dran war, was mit den Dingen passiert ist und was ich gelernt habe. Gezählt wird nach den fünf Zielen.

Oktober 2026 · Eintrag 1

Der Anfang: Wohnzimmer und Bad

Am Anfang stand ein Rundgang mit dem Handy durch alle Räume. Die KI hat beschrieben, was sie sieht, und die unruhigsten Stellen genannt. Daraus wurden zwei Regeln und ein Plan mit einer kleinen Aufgabe pro Abend.

Wohnzimmer

Die Wand über dem Sofa ist jetzt leer, die Weltkarte ist abgenommen. Insgesamt hängen deutlich weniger Bilder, und genau deshalb eröffnet über dem Sessel jetzt eine kleine Galerie: Ein Bild hängt, die anderen warten und kommen im Wechsel dran. Die Vitrine ist nach demselben Prinzip zur Ausstellung geworden, mit wenigen Lieblingsstücken und Abstand dazwischen. Der Rest wartet vorerst in einer Kiste, bis das Arbeitszimmer fertig ist, und wird dann einmal im Monat getauscht. Die Lautsprecherbox ist auf das Regal gezogen, die Sportsachen sind in den Schrank, und die Pflanzen stehen jetzt paarweise am Fenster statt verteilt im Raum. In der Ecke mit dem alten Schrank meiner Oma und dem Sessel steht nur noch, was dort hingehört.

Nicht alles hat geklappt. Die Weltkarte zum Freirubbeln wollte ich weiterführen, aber die Rubbelschicht war nach Jahren an der Wand ausgehärtet. Föhn, Alkohol, Radierer und Aceton haben nichts gebracht. Die Karte bleibt jetzt, wie sie ist, und kommt so in den Wechsel. Nicht jedes Ding muss perfekt sein, um bleiben zu dürfen.

Offen: Der Raum hallt nach dem Ausräumen etwas mehr. Ich räume erst fertig und höre dann neu hin, bevor ich etwas dagegen kaufe.

Bad

Im Bad war es schnell ruhig. Die Haken für Lauf- und Schwimmsachen bleiben, denn sie haben einen festen Zweck. Dosen und Tuben werden aufgebraucht und nicht nachgekauft. Das Plissee ist jetzt fest montiert. Morgen kommen die Klebereste alter Haken dran: föhnen, Öl einwirken lassen, abschieben.

Was mit den Dingen passiert

Behalten mit neuem Platz: Wasserkocher in den Schrank, Sportsachen in den Schrank, Weltkarte in den Wechsel, ein Ersatz-Plissee, ein Terrakottatopf und ein kleiner Übertopf in den Keller, die Küchenbilder bleiben samt Rahmen, die japanischen Karten bekommen zwei Rahmen, die schon im Keller lagen, drei kleine Rahmen bleiben für später, das Götz-Bild hängt jetzt allein.

Weitergeben, alles noch unterwegs: drei Paar Schuhe und zwei Paar Socken in den Altkleidercontainer, ein kleiner Korb, ein Neoprenanzug und ein Ladekissen in den Verkauf, ein Hirschgeweih zum Verschenken und ein Regalbrett zurück an den Laden. Was sich verkaufen lässt, bekommt drei Wochen zum normalen Preis, dann eine Woche günstiger, danach wird verschenkt oder gespendet. Unter etwa 10 bis 15 Euro verkaufe ich gar nicht erst. Ein Erlös wird gespendet oder angelegt, nicht für Neues ausgegeben.

Recyceln: eine große Tüte alter Unterlagen, geschreddert, und ein Stapel Papier ins Altpapier. Alte Schrauben und Dübel folgen. Entsorgen: drei kaputte Plissees und ein Blumentopf, der schon kaputt bei mir ankam. Digital: rund 600 Fotos vom Handy gelöscht. Noch offen: ob der Anhänger bleibt und verliehen oder verkauft wird. Die alten Decken darin bleiben vorerst, wo sie sind.

Neu dazugekommen sind vier Dinge: eine Bilderschiene für den Wechselplatz, zwei weiße Übertöpfe (einer statt des Terrakottatopfs, einer für den Gummibaum, der so groß wird, dass er bald umziehen muss) und „Nachhall“, ein großer Druck aus meinem Rakel-Atelier für die Wand. Ganz ehrlich: Neues nur, wenn dafür etwas geht, hat diesen Monat nicht ganz geklappt.

Nebenbei entstanden: zwei Projekte

Beim Ausmisten kam die Frage, ob dieser Weg auch anderen hilft. Daraus wurde in wenigen Tagen form folgt leben: diese Seite mit dem Leitfaden, ein Instagram-Kanal und ein kleines Gewerbe, damit alles seine Ordnung hat. Online seit dem 31. Oktober.

Unter demselben Dach startet am 22. November das Rakel-Atelier. Dort malst du im Browser mit Rakel, Pinsel und Spachtel ein abstraktes Bild und lädst es kostenlos als Druckdatei herunter. Ohne Shop und ohne Versand: Gedruckt wird nur, was jemand wirklich an der Wand haben will. Mein erstes Bild „Nachhall“ ist schon da und eröffnet die Galerie, sobald die Bilderschiene montiert ist.

Was ich gelernt habe

Aller Anfang ist schwer. Im ersten Monat ist mehr geblieben als gegangen, und einiges ist sogar dazugekommen. Aber jedes Ding hat jetzt einen Platz, und was herumsteht, steht da mit Absicht. Ruhig heißt nicht leer.

Ein neuer Eintrag kommt etwa einmal pro Woche. Den Ablauf dahinter findest du im Leitfaden.